Die Stille danach – was macht ein Vollblut-Unternehmer wie Elian Kool nach dem Exit

August 5, 2020

Der Verkauf eines Unternehmens ist mit vielen Hürden und Veränderungen verbunden: wie lässt man los, welchen neuen und alten Leidenschaft geht man nach dem Verkauf nach und mit welchen Erfahrungsschatz man in neue Lebensabschnitte startet. Die Erfahrung hat EO Zurich Mitglied Elian Kool gerade hinter sich. Er begann seine Karriere als Software Ingenieur und arbeitete für große Customer Experience Plattformen, bevor er 2012 Netcentric gründete, das er bis 2019 als CEO leitete.

Was waren die Beweggründe, die Dich zu dem Verkauf Deines Unternehmen geführt haben?

Angefangen haben wir 2012 bei Netcentric mit 20 Leuten und wir sind mit den Jahren stetig gewachsen, haben fünf große Niederlassungen weltweit aufgebaut und haben irgendwann einen gewissen Peak, eine Art von Sättigung, erreicht. Wir haben bewusst die Firma auf einen spezialisierten Thema belassen und sehr wenig “rechts und links” gemacht. Es stellte sich dann irgendwann die Frage, ob wir selber einen neuen Teilbereich in unsere Firma dazu kaufen oder selbst unsere spezialisierten Bereich abgeben. 2017 hat sich dann eine optimale Gelegenheit mit einem guten Käufer ergeben, der aus den richtigen Gründen kaufte. Das war eine wunderbare Kombination: es wurde sich viel Mühe gegeben und man wollte gemeinsam voneinander lernen und die nächsten Schritte aufbauen, sodass ich mich für zwei Jahre verpflichtet habe zu bleiben und dann 2019 als CEO ausgeschieden bin. Das war ein guter Weg für mich aus dem Unternehmen heraus und hat das Loslassen unterstützt.

Du bist sehr umtriebig – Investor, Präsident des Vorstandes für Make Me Smile International Schweiz und Dein neues Start-up Winemaker.com – wo liegt für Dich der höchste Grad an Verwirklichung?

Ja, das stimmt, ich habe parallel während der letzten zwei Jahre bei Netcentric angefangen mehrere Portfoliounternehmen bei Gentian Investments zu betreuen. Insbesondere in dem Bereich Wachstum kann ich Unternehmen wie Alaya, Nomoko und Swiss Ocean Tech darin unterstützen Fehler zu vermeiden und in kurzer Zeit thematisch einsteigen und gezielt helfen. Das werde ich aber nicht hauptberuflich machen. Meine Aktivität als Präsident von “Make Me Smile International (Schweiz)” sehe ich ebenfalls als einen Nebenbereich, der ungefähr 10 Prozent meiner Zeit in Anspruch nimmt, an. Im Fokus stand zunächst erst einmal eine Niederlassung für die Schweiz und ihre Gemeinnützigkeit durchzuboxen, bevor jetzt primär darum geht viel für die Jugendlichen in Kenia zu tun. Seit Anfang Mai konzentriere ich mich auf mein neues Unternehmen Winemaker.com. Wir wollen hier eine neue Art Wein zu entdecken aufbauen. Es sollen die Geschichten der Winzer erzählten werden. Das aufkommen der Emotionen und das Erlebnis durch einen Besuch des Weingutes und beim Genuss des Weines sollen ins Digitale transformiert werden. Einerseits ist das Ziel das Gesicht der Winzer und ihr Weingut mit dem Wein erzählen zu lassen und andererseits sind in der Weinbranche die Lieferketten noch sehr verkrustet und hands-on, sodass der Aufbau eines vernünftigen E-Commerce und die Ausweitung in andere Länder abgesehen von der Schweiz, nach Italien und Frankreich im Fokus stehen. Ziel ist es dass wir Mitte Oktober mit allem live gehen können.

Was treibt Dich dabei an?

Es macht riesigen Spass, wenn man etwas von Grund auf aufbauen kann. Jeden Tag einen Schritt weiterzukommen und dabei seiner Leidenschaft nachgehen zu können. Aktuell arbeiten wir bei Winemaker komplett automatisiert und auf einem sehr hohen professionellen Level, mit wenig Aufwand und effizienten Tools. Das kann man in größeren Konzernen niemals so schnell aufsetzen. Das Aufsetzen der Infrastrukturen hat dabei wenig Geld und Aufwand in Anspruch genommen. Es tut gut, seine Erfahrungen in etwas neues einfließen zu lassen, um ein neues Meisterstück abzuliefern.

Was macht für Dich ein Unternehmer aus?

Ganz klar, die Eigenschaft selbstständig zu arbeiten und priorisieren zu können. Das können ganz viele nicht, oder nur in kleineren Kontexten. Ein Unternehmer muss aushalten können viele offene ungelöste Themen zu haben, diese auch für die anderen Prioritäten ignorieren zu können und nicht ständig von vorne bis hinten zu überlegen. Gleichzeitig sollte er in der Lage sein die Diversität von Themen zu jonglieren und dabei schnell umschalten können, von morgens bei der Buchhaltung, den technischen Auseinandersetzungen am Nachmittag und Abends der strategische Geschäftsplanung. Jedes Gründungsteam braucht genau diese Leute, die das können.

Was vermisst Du am wenigsten, was am meisten seit dem Verkauf des Unternehmens?

Am wenigsten das Reisen. Vier Tage die Woche war ich unterwegs und bin viel geflogen. Wenn man in diesem Rhythmus drin ist, dann stört es einen nicht. Mit dem jetzigen Abstand vermisse ich es aber überhaupt nicht. Auch alle Grossfirmenprozesse vermisse ich nicht. Am Ende hatten wir 600 Mitarbeiter weltweit und einmal pro Jahr einen Summit über drei Tage mit Vorträgen, riesiger Arena, Video-Screens und einem hohen Grad an Professionalisierung. ieses Gefühl gemeinsam mit diesen Team die nächsten Strategien zu besprechen und anzugehen mit dem Wissen wie wir mit 20 Mitarbeitern gestartet sind, da werde ich sentimental.

Welche Rolle spielen für Dich Netzwerke? Wann hast Du entschlossen Dich dem EO Netzwerk anzuschließen?

Ich bin kein klassischer Einzelkämpfer. Während meiner ganzen Zeit als Unternehmer war mir wichtig, einen konstanten produktiven Austausch mit meinem Team zu pflegen, genau diesen braucht es für mich. Vor ungefähr drei Jahren vor dem Verkauf von Netcentric kam ich auf die Idee mich dem EO Netzwerk anzuschließen. Das ist eine super Ergänzung und ein wertvoller Austausch: dort sind Menschen, die einen gut kennen und gleichzeitig unabhängig vom eigenen Unternehmen sind. Die können einem viel klarer den Spiegel vorhalten als interne Vertraute. Das schätze ich sehr.

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